Dieser Blog ist über mich, Birgit KOBER, ein Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft (Behindertensport) und ich bereite mich auf die Paralympics in Rio 2016 vor.
In diesem Blog lasse ich Sie an meinen Höhen und Tiefen im letzten Jahr vor diesem Großereignis teilhaben, an meinem persönlichen COUNTDOWN für RIO 2016.

Montag, 4. Juli 2016

Meine Vorbilder - 65 Tage bis Rio 2016

Ich habe zwei große Vorbilder im Sport, denen ich nacheifere.

Einer, der noch aktiv ist, nach dessen Videos ich auch teilweise auf youtube trainiere und der mich in vielerlei Hinsicht fasziniert, ist Ashton Eaton. Was mich begeistert ist seine Einstellung, wie er an sein Training, an den Sport ansich herangeht. Als Zehnkämpfer muss er das auch, aber er hat ein Motto auf seiner Homepage, das mir sehr gut gefällt:"Endeavor. Always." Übersetzt bedeutet das:"Das Bestreben/die Anstrengung/das Bemühen. Immer." Das genau ist es, was uns Leistungssportler auszeichnet, das wir IMMER in allem was wir im Training, aber auch im Wettkampf tun, unser Bestes geben. Oft endet es in einem Sieg, aber zuweilen auch in einer Niederlage unser Bestes zu geben, das ist unendliches Bemühen. Mehr geht dann nicht. 

Ashton Eaton ist mir ein Vorbild an Perfektion, die er in seinem Training und seinem Wettkampf an den Tag legt, aber auch zuweilen an unkonventionellen Methoden. 

Ich habe durch ihn meine jetzige Kugelstosstechnik (über youtube) gelernt, eine etwas abgewandelte, aber es ist letztlich seine. Das für bin ich sehr dankbar, dass er dieses Video online gestellt hat, dass ich mir immer und immer wieder anschauen konnte. Hier ist übrigens dieses Video:



Ihn würde ich echt gerne mal kennenlernen! Hier ist seine Homepage: http://www.weareeaton.com/
Für die Olympischen Spiele in Rio wünsche ich ihm und seiner Frau nur das Beste und viel Erfolg!

Das zweite Vorbild, das ich habe, ist Eric Lidell. Er ist schon tot, aber das mindert das Ganze ja nicht. Geboren wurde er 1902 in China als Kind zweier Missionare, die den Fünfjährigen zurück in die schottische Heimat schickten, in der er dann auch aufwuchs. Er wurde schnell zu einem extrem guten Läufer, war aber weiter auch sehr in seinem Glauben verwurzelt. Der Film "Chariots of Fire" dokumentiert sein Schicksal, aber auch das des Läufer Abrahams. Beide namen an den Olympischen Spielen 1924 in Paris teil. Das besondere an Eric Liddel war, dass er sagte, dass er nicht an einem Sonntag laufen wolle. Wer unseren Sport betreibt, auch so hart trainiert, auch die Regeln kennt, der weiß, was man mit so einer Entscheidung "wegwirft". 
Auch ich bin Christ, glaube an Gott und das ringt mir unheimlichen Respekt ab. Doch der Zusammenhalt im Team war so groß, dass ihm letztlich ein Mannschaftkamerad seinen Startplatz für den 400m Lauf gegeben hat, der nicht an einem Sonntag war. Dieser hatte bereits eine Medaille. Auch das ist wahrer Sportsgeist. 
Eric Liddel hat diesen Lauf gewonnen, obwohl es nicht seine Hauptdisziplin war, woher er all diese Kraft geholt hat, das war für viele unbegreiflich, weil er zwei Vorläufe plus den Endlauf an einem Tag absolvieren musste. Dieser Mann steht für mich als Vorbild für die Moral und den Glauben und ist deshalb mein zweites Vorbild. 


Montag, 27. Juni 2016

Bericht Europameisterschaft Grosseto 2016 - 73 Tage bis Rio 2016


Ich hab mich sehr auf die Europameisterschaften in Grosseto gefreut. 
Diesmal hatte ich meine Nachbarin Sandra Merino de Groß als Begleitperson mit dabei und wir sind mit dem Auto gefahren, was immens praktisch war. Ihr Mann hat sich extra Urlaub genommen und wie immer hilft mir so ein Netzwerk, auch mit meinen Nachbarn aus dem 10. Stock, die sich ebenfalls um die Katzen kümmern, dass ich überhaupt wegfahren kann. Das sei ganz zu Beginn erwähnt!
Wir haben auf der Hinfahrt einen Zwischenhalt plus Übernachtung in Modena gemacht, weil es sonst zu stressig geworden wäre. 

Im Hotel "Fattoria La Principina" waren alle Nationen, also alle Athleten, untergebracht. Das Gelände ist sehr weitläufig, das Hotel auch groß, insofern hat das schon gepasst. Mir gefällt es auch immer ganz gut, wenn ich meine Sportfreunde und Bekannten aus vielen Ländern treffe, mit denen ich mich über die Jahre angefreundet habe. 

Mein Wettkampf war am vorletzten Tag, deshalb hatte ich davor noch genug Zeit zum Trainieren und auch um meinen Kollegen vom Team bei ihren Wettkämpfen zu zu sehen. 
Zudem war das Meer nur 5km entfernt, genauso wie die wunderschöne kleine Altstadt von Grosseto. Es war nicht viel Zeit, aber immerhin soviel, dass wir zu beidem einen Abstecher machen konnten. 

Die Organisation vor Ort, einschließlich Transport vom Hotel zum Stadion und zurück, das hat wirklich gut geklappt. Die ganzen Volunteers waren total klasse, sehr hilfsbereit und immer sehr nett. 

Das Essen im Hotel war halbwegs o.k., sagen wir so, es wurde abwechslungsreicher. 


Das Training selbst lief sehr gut, ich hatte Weiten, die mich ruhig und entspannt in den Wettkampf gingen ließen. Mein Ziel war einfach, das auch so umzusetzen. Definitiv brauchte nicht unbedingt der Weltrekord fallen, aber ich wollte schon das zeigen, was ich in der letzten Zeit im Training gestoßen hatte. 

Ich bin natürlich angespannt vor einem Wettkampf, aber nicht so, dass ich mich dadurch selbst ausheble. Ich freue mich sogar drauf. Es gibt eine feste Routine vor dem Wettkampf, die ich immer gerne einhalte, sofern dies möglich ist. Am liebsten bin ich "länger" vor der Callroomzeit im Stadion, bzw. Aufwärmstadion. (Die "Callroomzeit" ist die Zeit, die ein Athlet einhalten muss, bevor er dann zum Wettkampf geht. Er muss sich rund 60 Minuten vor dem Wettkampf beim sogennanten "Callroom" melden und bleibt dann auch dort). 

Ich stoße mich gern in Ruhe nochmal mit 4-6 Stößen ein, hab damit für mich so das Gefühl, dass mir die Kugel gut hinter der Hand liegt und dass ich beruhigt in den Wettkampf gehen kann. Dann setze ich mich zu den anderen, die auch Wettkampf haben, lasse die Atmosphäre auf mich wirken und werde damit auch immer ruhiger. Was andere nervös macht, das macht mich ruhig. Wenn es dann tatsächlich in den Callroom und später ins Stadium geht, dann empfinde ich eine gute Anspannung. Ich freue mich auf den Wettkampf, darauf, dass ich zeigen kann, was in mir steckt. 

Diesmal war es mein erster internationaler Wettkampf im Stehen und das erfüllte mich mit Stolz. Ich bin noch nie gestanden, als ich vorgestellt wurde, als mein Name aufgerufen wurde. Super! Was ich nicht so mag, wenn ich direkt als Erste drankomme, aber das war nicht der Fall. 

Foto: Marcus Hartmann (DANKE!)
Meinen ersten Stoß hab ich aus dem Stand gemacht und er ging mir nicht so von der Hand wie ich das wollte. Dennoch war er 10,20m, was mich überrascht hat. Das war ein neuer Europarekord. Die nächsten drei Stöße waren allesamt nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich wusste, was ich falsch gemacht habe, aber ich konnte es nicht ändern, was mich unheimlich geändert hat. Dann, beim fünften Stoß (mit Schritten) kam ich besser rein und hatte erneut 10,20m. Das hat mich gefreut. 

Vor meinem 6. Stoß wäre ich schon Europameisterin gewesen, aber ich wollte gerne mit einer Weite aufhören, die ich auch immer im Training hatte. 10,50-10,60m hätten mir gereicht. Ich hab die Augen geschlossen, hab mir den Olympiastützpunkt vorgestellt, das Stadion und dann hab ich angefangen. Und als mir die Kugel von der Hand ging, da wusste ich schon, dass es weit wird. Ich dachte, dass ich mein Ziel sicher erreicht habe, aber da es erst ab 12m abgesteckt war, konnte ich die Weite nicht abschätzen. Es dauerte und dauerte und plötzlich erschien auf der Anzeigetafel 11,20m. Woah!!!!! Damit hatte ich so gar nicht gerechnet. Das war überwältigend. Ich war geplättet. Erst dachte ich, dass sie sich vielleicht vertan hatten, aber es blieb 11,20m. 
Mit dem Glück ist es so eine Sache. Die Momente, in denen man total davon durchflutet wird, die sind unwahrscheinlich kostbar und das, das war einer davon. Einige haben mir gesagt, ich hätte mir den Weltrekord doch für Rio aufheben sollen, aber sowas lässt sich schwer steuern und jetzt hatte ich ihn halt in Grosseto und war dort sehr glücklich. 
Das Gute daran ist vor allem, dass ich weiß, dass diese Weite in mir steckt und so kann ich mich nun konstant auf die 11m hocharbeiten. Das ist sehr wichtig, weil ich nicht genau weiß, was die Chinesin in Rio aus dem Hut zaubern kann. Ich hab keine Angst, ich will nur gerüstet sein!

Foto: Marcus Hartmann (super!!!)
Hier ist das Video vom Wettkampf (bei 10:30 ist der Weltrekordstoß)


Grosseto war ein super Etappenziel für mich auf dem Weg nach Rio. Vor allem aber bin ich unheimlich glücklich, dass meine internationale Premiere im stehenden Werfen so erfolgreich war. 

Dann kam die Siegerehrung und ja, das war ein großer Moment, im Stehen dort meine Hymne hören zu dürfen. 
Ich bin Christ und dieser Erfolg geht an Gott zurück, der mir auch immer hilft, mein Bestes aus mir herauszuholen! 


Es war eine gute Europameisterschaft, eine gute Zeit im Team - so kann es weitergehen!


Donnerstag, 2. Juni 2016

Generalprobe für Europameisterschaft geglückt - noch 96 Tage bis Rio 2016

Irgendwie war ich schon aufgeregt vor dem Wettkampf in Erfurt, denn ich persönlich nehme jeden Wettkampf gleich ernst, egal, ob er groß oder etwas kleiner ist. Für mich ging es in Erfurt darum, die Norm für die Paralympics in Rio nochmal zu bestätigen, denn ich hatte sie zum ersten Mal in Dubai gestoßen und das war im März 2016. Und jeder Athlet, der die Norm im ersten Quartal 2016 erbracht hat, der muss sie nochmal bestätigen. 
Weiter wollte ich nach gut zweieinhalb sehr ergiebigen Trainingsmonaten einfach nochmal einen Art Testwettkampf vor der Europameisterschaft bestreiten, quasi eine Art Generalprobe. Es ist doch immer etwas anderes, ob man im Training stößt, oder ob es dann richtig um was geht. 


Ich hatte eine richtig gute Zeit in Erfurt, hab mich sehr gefreut, dort Sportfreunde zu treffen, die ich ansonsten teilweise nur von Facebook kenne und wir hatten auch Zeit für ein ausgiebigeres Gespräch. Es war schön in so einer Atmosphäre zu stoßen, die einfach geprägt war von so viel nettem Miteinander. Dafür nochmal Danke! 

Die Stöße liefen gut: locker und weit. Ich habe die Norm mit einem neuen deutschen Rekord über 10,59m bestätigt, der genau 5cm vom Weltrekord der Chinesin  Wu Qing entfernt ist. Den will ich mir irgendwann holen, aber noch wichtiger ist, dass ich mir noch eine kleine Pufferzone ausbaue, denn bei den Chinesen weiß man nie so genau, was die so "aus dem Hut" zaubern. Ich will für Rio gerüstet sein!

Vor allem aber freut es mich, dass ich nach all den Tiefschlägen des letzten halben Jahres, der verpassten WM und der schweren OP mit dem "Hirnschrittmacher" letztes Jahr und der Schulter OP jetzt wieder defintiv oben auf bin! 

Montag, 30. Mai 2016

mitten im Training, kurz vor der EM und heute 100 Tage bis Rio 2016

Fast 2 Monate sind seit dem letzten Post vergangen. Das war so nicht geplant! Und ich werde mich definitiv bessern!!!!!!
Aber nun läuft der Countdown ja nochmal mehr: heute sind es noch 100 Tage bis zum Beginn der Paralympics in Rio :-D
Ich habe in den letzten zwei Monaten viel trainiert - wie wir alle - habe Neues ausprobiert und mir eine Schrittkombination fürs Kugelstoßen beigebracht. Diese ist - sagen wir es mal so: noch ausbaufähig. Einiges klappt schon ganz gut, an einigem muss ich noch arbeiten. Aber ich bin auf einem guten Weg. Für mich ist das sehr schwer, aber ich falle nicht mehr hin und denke, ich bin schon recht sicher. 
(Auf dem Foto li bin ich mit meiner besten Freundin Sabine, die mir immer sonntags hilft!)

Zuweilen ist es schon hart, jeden Tag, Woche für Woche, das Programm, eigenverantwortlich abzuspulen, das einen immer mehr in Richtung Rio bringt. 
Mir fehlt halt der Trainer, ich stelle mir mein Handy auf ein Stativ und dann schaue ich, welche Fehler ich mache. Neue Techniken hole ich mir von Youtube. 
Zum Olympiastützpunkt habe ich eine einfache Fahrtzeit von 1 Stunde 40 Minuten. Und da musste ich öfter hin, weil das Wetter noch schlecht war. Doch zuweilen stand ich auch im Regen auf der Bezirkssportanlage. Doch dort muss man öfter vor dem Training die Glasscherben aus dem Ring entfernen und vor einiger Zeit hab ich dort einen toten Igel im Kugelstoßsand liegen sehen. Der ist jetzt neben dem Feld begraben. 



Wir haben auch einen Sport/Imagetrailer für mich gedreht. Warum? Ich denke, zuweilen verändert sich so einiges im Leben eines Sportlers und ich wollte das nochmal vor Rio etwas präsenter machen. Das zweite Anliegen war und ist es, vielleicht irgendwann mit diesem Trailer einen Sponsor zu finden. 
Bernd Woldt danke ich sehr herzlich für die tolle Zusammenarbeit und den guten Preis. Ich denke, im Einfachen und Simplen liegt zuweilen auch Aussagekraft und ich kann mit meinem Budget halt nicht mit Sporttrailern von BP/Allianz/etc.... mithalten, was ich aber auch gar nicht will! 


Weiter habe ich mit dem BR eine kleine Reportage gedreht, die dann kurz vor den Paralympics ausgestrahlt werden wird. Die Redakteurin wollte das Kugelstoßen gezeigt und erklärt bekommen und ich denke, das wird ganz gut, auch lustig.



Und es gibt noch eine Neuigkeit. Die Dreifachturnhalle, also der neue SVN-Sportpark, direkt bei mir um die Ecke, ist endlich fertig. Nun kann ich dort auch trainieren und meine Sportgruppe ist mit einer Mini-Besetzung gestartet. Alles andere würde meinen Zeitrahmen sprengen, aber das hier macht total Spaß!


Und morgen, da fahre ich nach Erfurt, werde im Steigerwaldstadion am Erfurt Inklusiv Wettkampf teilnehmen. Es ist quasi meine "Generalprobe" für die Europameisterschaft in Grosseto, zu der ich am 09.06. fahren werde. 
Auf beides freue ich mich sehr!

Sonntag, 27. März 2016

Bericht Trainingslager und Wettkampfserie VAE (Sharjah und Dubai) - 164 bis Rio 2016

Es  ist Ostersonntag, ich bin seit ein paar Tagen zurück aus dem Trainingslager und den Wettkämpfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Sharjah/Dubai) und habe heute Zeit, ausführlich von dieser anstrengenden, aber auch für mich erfreulichen Zeit zu berichten. 


Ich kann nur nochmals betonen, wie wertvoll die Zeit in Rio gewesen ist, dass ich meine Schulter sehr schnell nach der OP mit Hilfe der dortigen Möglichkeiten mobilisieren konnte, und wer eine lange Verletzungspause durchlebt hat weiß auch, wie wichtig es ist, dass man "in sich" wieder aufgebaut wird. Ohne die Wochen in Rio hätte ich das wahrscheinlich nicht geschafft. 

So gestärkt bin ich dann auch ins Trainingslager, zur Klassifizierung und zu den Wettkämpfen in den VAE geflogen. Wir haben wieder im Centro Hotel in Sharjah (gleich neben dem Flughafen) gewohnt und das ist eine tolle Unterkunft für ein Trainingslager. 

Constanze (Wedell) war zum ersten Mal meine Begleitperson, hatte sich sehr kurzfristig bereit erklärt, diesen Part noch zu übernehmen. Dafür bin ich sehr dankbar! 

Das Stadion Sharjah ist ein sehr angenehmer Trainingsort. Für uns als Werfer, ebenso für die Rollstuhlschnellfahrer, weil sie dort eine Mondo-Bahn (härtere Tartan Bahn) haben. Die Temperaturen sind meist angenehm. Zuweilen schon sehr warm, aber dann mit einem leichten Wind. Nur ab und an drückend. Wenn ich mir vorstelle, wir würden hier bis Mai warten, um endlich die ersten Stöße im Freien machen zu können, das wäre fatal! 

Ich konnte zwar aufgrund meiner Schulterverletzung (plus OP) nicht so viel Krafttraining machen, aber oftmals sind die Stöße dann "spritziger", schneller, was sich beim Grand-Prix Wettkampf in Dubai auch so herausgestellt hat. 

Am 15.03.2016 war dann meine neue Klassifizierung. Ich glaube, niemand geht in eine Klassifizierung ohne Nervosität, vor allem wenn er in einer 30-er Gruppe, in einer Cerebralparesen-Gruppe ist. Denn hier kann immer sehr viel passieren. Amputationen sind eindeutig, Behinderungen im Gehirn lassen - leider - auch "Spielräume". 
Ich bin sehr dankbar, dass ich nun in der Gruppe F36 starten darf, weil es mir mit meiner Behinderung schlechter geht (wie ich im letzten Blog-Post ausführlich erklärt habe) und ein Start weiter in F37 auf Dauer Wahnsinn gewesen wäre! 

Jede Klassifizierung wird erst nach dem Wettkampf "gültig". Da schauen einem die Klassifizierer nochmal zu und wenn sie dann zu dem gleichen Ergebnis wie bei der Klassifizierung selbst kommen, dann hängt später so ein Zettel an der Tafel. Jede Nation hat dann die Möglichkeit, dagegen Protest einzulegen, wenn sie nicht damit einverstanden wären. (Das nur zur Erklärung)

Auch, wenn der Wettkampf in Sharjah vorher war, so will ich mit dem Grand-Prix Wettkampf in Dubai anfangen. Zwei Tage vor dem Grand-Prix Wettkampf hatte ich die Normen für Rio und für die EM erfahren. Davor wusste ich diese noch gar nicht. 


In diesem Jahr vor den Paralympics ist es sehr hart. Wir haben viel zu wenig Startplätze für zu viele Athleten, die  offiziell die Normen erfüllen würden. Deshalb gibt es sehr hohe  Qualifikationsnormen (deutschlandintern), die dann die Athleten "raussieben", die nominiert werden können. Auch für mich ist sie in diesem Jahr eine Herausforderung, die Norm, weil ich - wie schon erwähnt - im Vorfeld doch Rückschläge hinnehmen musste. 

Als ich dann die Norm im Kugelstoßen beim Grand-Prix in Dubai gestoßen hatte, da war ich doch sehr erstaunt und dachte mir, wenn ich das jetzt habe, dann versuche ich noch einen drauf zu legen und hole mir auch die Norm für die EM, die seltsamerweise höher ist. (Wahrscheinlich weil es eine kombinierte Gruppe mit F35/36 ist)
Ja, ich konnte das abhaken, das war schon erhebend nach dieser langen Durststrecke! 

Ich bin sehr, sehr erleichtert, dass ich schon so früh beide Normen holen konnte. Nun ist wichtig, meine Leistung konstant zu steigern. Es war dann noch ein ziemlicher "Hickhack", weil ich mit der falschen Startklasse in der Liste stand, somit die Ergebnisse auch falsch waren. Es dauerte über einen Tag bis das in Ordnung gebracht werden und die Siegerehrung schließlich stattfinden konnte. War aber ein sehr angenehmer Wettkampf mit lieben Sportkollegen und ich hab auch wieder neue nette Athleten kennengelernt, was mich immer sehr freut, weil genau das diesen Sport so reizvoll und reich macht. 

Impressionen Grand-Prix Dubai 2016
So eine Shuttlefahrt, die hat Erinnerungswert ;-)

Der Wettkampf in Sharjah war ebenfalls gut. Was jedoch etwas kontraproduktiv war, dass am gleichen Tag die Klassifizierung in Dubai war, ich bereits um 5.30 Uhr aufstehen musste, damit wir wegen dem Stau rechtzeitig um 10 Uhr in Dubai sein konnten. Das alles zog sich dann extrem lang hin und wir waren erst 20 Minuten vor meiner Callroomzeit wieder in Sharjah, sodass ich doch sehr erschöpft dort ankam. Deshalb war ich mit dem Wettkampfergebnis von 8,99m wirklich sehr zufrieden. 

Sowohl in Sharjah, als auch in Dubai waren es gemischte Klassen: F35/36/37/38, teilweise sogar noch mit den Kleinwüchsigen, und es wurde das Razaa Punktsystem angewandt, sodass es so gut wie unmöglich war, in dieser Konstellation Gold zu holen. Ich war aus diesem Grund mit zwei Mal Silber ausgesprochen zufrieden! (Bei den Paralympics, Welt- und Europameisterschaften gibt es so eine Gruppenzusammensetzung aber nicht!)

Und bei so viel hartem Training und Wettkämpfen, da war es schön, dass es zwischendurch auch mal etwas Freizeit gab. Natürlich nicht sehr viel, aber ein bisschen und es ist schon auch toll, wenn man nicht nur den Sportplatz, das Wettkampfstadion und das Hotel sieht. Ich habe z. B. an einem Tag eine u. a. eine gute Bekannte besucht, die in dem Restaurant arbeitet, wo meine Katze Deira herkommt. Sie freut sich jedes Mal sehr, wenn sie mich sieht. 

Eigentlich war's das. Nach fast drei Wochen Dubai und davor schon der Zeit in Rio bin ich jetzt aber auch froh, dass ich eine Weile Zuhause sein kann. Was ich noch ziemlich toll fand war, dass wir von unserem Hotel so stilvoll mit arabischem Kaffee und vom Hotelmanager verabschiedet wurden, weil wir mittlerweile schon (in unterschiedlicher Zusammensetzung) im fünften Jahr in seinem Hause sind. Tolle Geste. 

Montag, 29. Februar 2016

ins Trainingslager und zu Wettkämpfen nach Dubai - 191 Tage bis Rio 2016

Nach Rio ist für mich vor dem Trainingslager und dem Grand-Prix-Wettkampf in Dubai. Zusätzlich noch ein weiterer Wettkampf im Nachbaremirat Sharjah. 

Ich freue mich sehr auf diese Zeit, weil in Dubai sehr angenehme Bedingungen für ein Trainingslager für uns sind: 28-30 Grad mit leichtem Wind, gutes Hotel, ein schönes Trainingsstadion in Sharjah und immer gute Organisation der Wettkämpfe. Zudem sind die Menschen dort sehr nett und freundlich, wir treffen dort mittlerweile wirklich Freunde. 

Wir werden fast drei Wochen in Dubai sein, was meine Katzen sicherlich nicht toll finden, aber ich danke jetzt schon meinen Nachbarn, der Familie Merino/Groß und Claudia Sterba und Marcel Hampp, dass sie meinen Vieren diese Zeit sicherlich wieder erträglicher gestalten. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie viel es mir bedeutet, dass ich meine "Katzenfamilie" gut in Euren Händen weiß!! 

Neben dem Wettkampf steht für mich auch eine neue Klassifizierung an. Wenn einige von Euch nicht wissen, was Klassifizierung ist, so erklärt dieser Link der IPC athletics Homepage die Verfahrensweise der Klassifizierung auf Englisch. 

Ich kann vielleicht auch noch kurz ganz allgemein etwas dazu schreiben:
Wenn ein Sportler international starten möchte, dann braucht er eine Startklasse, in die er bei der sogenannten "Klassifizierung" eingestuft wird. Das ist ein relativ kompliziertes Verfahren. Im Vorfeld müssen Arztberichte und Gutachten, die auf Englisch übersetzt wurden, an den internationalen Verband eingereicht werden und auch ein Antrag auf internationale Klassifizierung gestellt werden. Dann kommt die Bestätigung, dass der Antrag genehmigt wurde und man muss schauen, bei welchem internationalen Wettkampf Klassifizierungen angeboten werden und sich dann dafür anmelden. 
In der Klassifizierung selbst ist dann ein internationales Team von Klassifizierern, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen. Wer eine Behinderung wie ich im zerebralen Bereich hat, der bekommt natürlich ein Team, das sich hier besonders gut auskennt. Zuerst wird man eingehend befragt, die Arztbriefe und Gutachten werden nochmals angeschaut. Dann folgt eine ausführliche Untersuchung und Tests. Das alles ist schon anstrengend. Danach muss man mit diesem Team auf den Sportplatz und sie schauen genau zu, wie man wirft oder auch bei anderen Disziplinen läuft oder springt. Danach wird entschieden, in welche Startklasse der Athlet eingestuft wird. 


Eigentlich bin ich ja im letzten Jahr erst klassifiziert worden, aber durch die Implantation meines Vagus-Nerv-Stimulators, also des Hirnschrittmachers, haben sich im Laufe der Zeit, als als man die Stromstärke langsam immer höher gestellt hat, gravierende Nebenwirkungen in der Form eingestellt, dass sich meine Grundbehinderung, die Ataxie massiv verschlechtert hat. 
Aus diesem Grund werde ich in diesem Jahr nochmal neu eingestuft. 

Es ist oft eine schwierige Gratwanderung. Die Kontrolle der Epilepsie ist bei mir der elementare Faktor, dass ich an Wettkämpfen starten kann, auch überhaupt mit zu internationalen Trainingslehrgängen fahren darf. Insofern steht das über einer Verschlechterung der Behinderung und ich muss das tolerieren. 

Ich hab das nur so ausführlich geschrieben, dass erst gar keine großen Fragen aufkommen.


Dann geht's also los nach Dubai und ich freue mich, dass
Constanze Wedell so kurzfristig als Begleitperson eingsprungen ist! Danke :-D

Montag, 22. Februar 2016

nach dem "Reha-Trainingslager" in Rio de Janeiro - 200 Tage bis Rio


Ich musste ein paar Tage ins Land gehen lassen, damit die vielen Eindrücke von Rio sich erstmal in mir ordnen können. 
Während meines "Reha-Trainingslagers" habe ich vieles auf meiner öffentlichen Facebookseite gepostet, die ich oft als eine Art Pinnwand verwende, weil es so schnell und einfach geht. Diese Posts, einschließlich Fotos, können dort gerne noch im Nachhinein nachgelesen werden. 

RIO de Janeiro: was soll man über diese Stadt erzählen, wie sie am besten beschreiben?!

Ich bin noch nie in Lateinamerika gewesen und als ich aus dem Flughafen raus war, hätte mich die Luftfeuchtigkeit fast zu Boden gerissen. Für meine Gastgeber alles ganz normal. Die Luftfeuchtigkeit war so stark, dass selbst meine Linse im Foto keine Lust hatte und sich mal munter so beschlagen hat, dass sie einen halben Tag brauchte, um wieder zu "entkrampfen".
Nachts schläft man deshalb auch mit Ventilator, der fast in jeder Wohnung dauerhaft röhrt. In der ersten Nacht hab ich gebibbert unter diesem Wind unter meinem Mini-Bettlaken. Ach das fanden alle witzig, weil ich doch aus dem kalten Deutschland komme, und da friert es mich dann. Ich bekam aber dennoch eine wärmere Decke, hatte aber sofort den Zwergpudel der Gastgeber auch mit drunter liegen, dem es anscheinend auch gefallen hat, sich vor dem Ventilatorwind zu schützen.
Diese Teile röhren wie Düsenflugzeuge, der Wahnsinn.


Rio hat einen wunderbaren Geruch aus vielem: dem Meer, das die gesamte 6,3 Millionen Metropole auf einer Gesamtstrecke von über 65km nur mit Strandpromenade umsäumt. Es riecht irgendwie nach Pflanzen, die ich noch nie gerochen habe und auch die Kombination von Luftfeuchtigkeit und nennen wir es mal alles, was so in der Stadt umschwirrt, kam auch noch dazu. Aber es roch anders, es roch gut, ich hätte meine Nase stundenlang in den Fahrtwind hängen können.

Ich hab auch vieles an Früchten gegessen, deren Namen ich noch nie gehört hatte, die ich noch nie gesehen hatte und die ich definitiv vermissen werde, weil sie so unendlich lecker waren. Auch die Mate Getränke waren fantastisch. Verhungern tut man nicht in diesem Land!

Die Brasilianer selbst sind ein unwahrscheinlich herzliches Volk, entspannt, anders als wir Europäer und ich bin unendlich dankbar dafür, dass mir so viel Einblick in die Lebensweise so vieler großartig liebenswerter Menschen gewährt wurde. Viele haben sich einfach so frei genommen, um mir ein bisschen von ihrer Stadt zu zeigen, jeder irgendwie anders. Sie haben mich in ihre Wohnungen eingeladen, vollkommen unkompliziert und einige sind mir zu wirklich guten Freunden geworden, werden auch auf einen Gegenbesuch nach Deutschland kommen. 

Ich habe gelernt, dass man zu den ärmeren Vierteln nicht "favela" sagt, sondern "comunità". Ich habe auch gelernt, dass "comunità" nicht gleich comunità ist, dass es gefährliche gibt, ungefährliche und solche, die es sogar zu örtlichen Ruhm gebracht haben, mittlerweile eine Touristenattraktion sind.
In unserer hab ich aber zuweilen mal eingekauft und wurde jedes Mal sehr freundlich begrüßt. Da kennt man sich dann schon. 

Weiter sind die Gegensätze zwischen arm und reich (für jemand aus Europa) unschwer zu übersehen. Ich hab halt noch nie Kinder im Stau zwischen den Autos Bälle für Geld jonglieren sehen. Die Tatsache, dass es eigentlich keinen wirklichen Weg raus aus den ärmeren Vierteln gibt, lässt einen nicht kalt. Dennoch strotzen alle voller Lebensfreude, sie jammern nicht und ich habe auch Menschen kennen gelernt, die für sehr wenig Geld arbeiten, die 24-Stunden Jobs haben.


Die Cristo-Statue, der Zuckerhut, die Copacobana, der botanische Garten... - über all das kann man viel lesen, Fotos und Dokumentationen anschauen, so richtig lebendig wird es dann erst, wenn jeder selbst dort steht. Wenn ich beeindruckend und unheimlich schön sage, dann trifft es das natürlich, aber es ist mehr und jeder muss dieses "mehr" für sich selbst entdecken. Ich freue mich, dass ich jetzt schon mal die Chance dazu hatte, denn wenn ich zu einem Wettkampf fahre, dann ist die oberste Prämisse dieser Wettkampf und dass ich gut abschneide, mich gut vorbereite und auch gesund zurück komme. Alles andere ist eine nette Zugabe. Und ich hab es in London 2012 gesehen, dass ich eigentlich keine Chance für touristische Aktionen hatte, insofern könnte ich Rio diesbezüglich sehr gelassen entgegensehen. Aber darum ging es gar nicht primär.


Es ging darum, dass ich eine super Möglichkeit bekam, meinen Arm schnell wieder fit zu bekommen. Andere sind nach Südafrika oder Lanzarote geflogen, ich halt nach Rio.

Meine Gastgeber waren Rosinha Santos (sie ist seit 18 Jahren eine feste Größe des paralympischen Sports in Brasilien) und ihre Trainerin Walquiria Campelo, mit der sie sich die Wohnung teilt, weil es so preiswerter ist. 

In der ersten Woche hat es eigentlich nur geregnet, aber das hat nichts gemacht, war ja warmer Regen und ich hab viel im hauseigenen Swimmingpool trainiert. Zudem konnte ich ins Fitnessstudio (nur fünf Minuten entfernt). Super! Weiter haben wir in dieser Zeit viele Leute besucht. Der Brasilianer malt sich notfalls die Sonne! Deshalb bin ich auch der festen Überzeugung, dass sowohl die olympischen Spiele, und danach die Paralympics ein voller Erfolg werden, denn diese Menschen haben einfach das Wesen, dass sie andere zufriedener und auch glücklich machen. Sie sind entspannt und wenn sie sagen, dass das klappt, dann glaube ich ihnen das. Vielleicht fehlt noch etwas Farbe am Stadion, keine Ahnung, ist nur ein Beispiel, aber bunt wird's trotzdem, das Land, die Stadt und die Menschen sind bunt!!


Viele Sportstätten, an denen ich vorbeigefahren bin, die waren ja schon ganz o.k., aber manches, das war noch sehr im Bau, da sagt auch jeder Einheimische, dass niemand Ahnung hat, ob das fertig wird. Das betrifft zum Beispiel mehr die Metro. Aber sie schuften Tag und Nacht, auch mit Strahlern bei Regen. Das Olympische Dorf hat aber super ausgeschaut!



In Deutschland war es kalt, in Rio warm, so konnte ich mit meiner Schulter den ganzen Tag etwas machen, was mich immens voran gebracht hat. Die Beweglichkeit ist voll da, und ab dem Zeitpunkt, wo ich wieder stoßen durfte, war die Schulter auch startklar. Darum hab ich dann auch gesagt, dass ich noch ein paar Tage dranhänge, wenn es gerade so gut läuft. War echt eine tolle Erfahrung, mit einem Teil des brasilianischen Teams Rio zusammen zu trainieren. Wir hatten sehr viel Spass zusammen! Ich finde, so einen "internationalen Trainingsaustausch", den sollten wir einfach mal offiziell machen.

Ich wollte in der Zusammenfassung meines Aufenthaltes ein paar Tipps geben, was wichtig und gut für die Zeit in Rio wäre, denn war mir geholfen hat, das kann ja allgemein auch nicht schlecht sein.

1. In Rio, allgemein Brasilien, werden Kinder nur 2 Jahre lang in den Schulen in Englisch unterrichtet. Es spricht also quasi niemand Englisch. Inwiefern die Volunteers bei den Paralympics Englisch sprechen, ich kann mir vorstellen, dass das vielleicht schwierig werden könnte.
Mir hat eine App auf dem Handy (gibt es für Android und Iphone) sehr geholfen. Sie heißt: "iTranslate" und ist kostenlos. Wenn WLAN oder Internetempfang verfügbar ist, dann übersetzt die App deutsche Sätze ins Portugiesische, spricht diese auch, übersetzt aber auch in andere Sprachen.

Diese App war mein wichtigstes Kommunikationsmittel in Rio überhaupt!! Ich konnte damit sogar Witze machen, sie ist unheimlich wichtig. Allerdings empfiehlt es sich, kurze Sätze zu schreiben, nicht zu komplizierte Sachverhalte.

2. Die Sonne in Rio ist verdammt stark. Die Sonne in Neuseeland war anders, aber ich sag mal so, die Sonne in Rio ist nochmal stärker. In Rio wird Lichtschutzfaktor 10 verkauft und es empfiehlt sich sehr, diesen vor Ort auch (zusätzlich zum eigenen Sonnenschutz) auch zu kaufen! Sonst sind böse Sonnenbrände vorprogrammiert.

3. Unbedingt gleichzeitig Kappe wenn man viel in der Sonne ist. (auf meinen Fotos ist meist keine Kappe, weil ich SEHR eitel bin, aber ich hab die Kappe immer nach dem Foto wieder aufgesetzt ;-) )

4. Immer nach 5-6 Stunden neu gegen Moskitos einsprühen. Das Spray kann mitgebracht werden, es gibt aber auch eine Reihe sehr guter Präparate in den Drogerien vor Ort. (Viele Drogerien!!) Die Biester sind gefährlich und allgegenwärtig.



5. Das Wasser aus den Wasserleitungen in normalen Mietshäusern (den Hochhäusern) sollte jetzt nicht unbedingt getrunken werden, aber wenn man mal beim Zähneputzen was verschluckt, dann stirbt man sicherlich auch nicht dran, weil es so immens stark gechlort ist, dass echt alles abgetötet ist.

6. Geld wechseln in die Landeswährung Reais empfiehlt sich vor Ort. Bitte unbedingt genug (Euro oder Dollar mitnehmen). Man kann vor Ort in den Malls wechseln.
Man kann mit Kreditkarten zahlen, ABER manches Gerät erkennt europäische Debitkreditkarten nicht als solche an und stuft sie nur als Creditcard ein. Man müsste dann den Pin für die Debitcard eingeben, was die Karte aber verwirrt. Also unbedingt genug Bargeld mitnehmen!

7. Wenn man sich an einige "Auflagen" hält, ist Rio keine Stadt, die gefährlicher ist als andere. An Stränden und vor allem der Copacabana niemals zahlen und dabei sich in den Geldbeutel schauen lassen. Immer umdrehen, Geld rausnehmen, zahlen. Wenn Tasche, dann nur mit Reißverschluss. Kamera sofort nach Gebrauch wieder darin verstauen. Handy niemals in die Hosentasche.
Ähnliches gilt für typische Touristenumschlagplätze und große Menschenansammlungen in Malls.
Niemals eine Comunità (Favela) betreten, von der man nicht von Einheimischen weiß, ob sie auch wirklich gefährlich ist oder nicht.
Taxis nur vor Malls oder Hotels anhalten.


8. Wer in Rio Spaß haben will, sich auf die Menschen und deren Lebensweise einlassen will, der muss etwas den Europäer ablegen, sonst wird das nichts. Damit meine ich, einfach mal für zwei Wochen etwas lockerer werden und sich gegebenenfalls auch drei oder vier Mal am Tag von wildfremden Leuten zum x-ten Male zwei oder drei Mal auf die Wange küssen lassen, weil das halt so üblich ist. Und wenn sich Brasilianer freuen, dann wird wieder geküsst (auf die Wange). Das kann schon mal ein bisschen viel werden ;-)

Ich danke meinen Freunden von ganzem Herzen, die mir so viel ermöglicht und mir in jeder Hinsicht geholfen haben. (Hier mit Walquiria und Beto im Botanischen Garten)