Dieser Blog ist über mich, Birgit KOBER, ein Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft (Behindertensport) und ich bereite mich auf die Paralympics in Rio 2016 vor.
In diesem Blog lasse ich Sie an meinen Höhen und Tiefen im letzten Jahr vor diesem Großereignis teilhaben, an meinem persönlichen COUNTDOWN für RIO 2016.

Montag, 29. Februar 2016

ins Trainingslager und zu Wettkämpfen nach Dubai - 191 Tage bis Rio 2016

Nach Rio ist für mich vor dem Trainingslager und dem Grand-Prix-Wettkampf in Dubai. Zusätzlich noch ein weiterer Wettkampf im Nachbaremirat Sharjah. 

Ich freue mich sehr auf diese Zeit, weil in Dubai sehr angenehme Bedingungen für ein Trainingslager für uns sind: 28-30 Grad mit leichtem Wind, gutes Hotel, ein schönes Trainingsstadion in Sharjah und immer gute Organisation der Wettkämpfe. Zudem sind die Menschen dort sehr nett und freundlich, wir treffen dort mittlerweile wirklich Freunde. 

Wir werden fast drei Wochen in Dubai sein, was meine Katzen sicherlich nicht toll finden, aber ich danke jetzt schon meinen Nachbarn, der Familie Merino/Groß und Claudia Sterba und Marcel Hampp, dass sie meinen Vieren diese Zeit sicherlich wieder erträglicher gestalten. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie viel es mir bedeutet, dass ich meine "Katzenfamilie" gut in Euren Händen weiß!! 

Neben dem Wettkampf steht für mich auch eine neue Klassifizierung an. Wenn einige von Euch nicht wissen, was Klassifizierung ist, so erklärt dieser Link der IPC athletics Homepage die Verfahrensweise der Klassifizierung auf Englisch. 

Ich kann vielleicht auch noch kurz ganz allgemein etwas dazu schreiben:
Wenn ein Sportler international starten möchte, dann braucht er eine Startklasse, in die er bei der sogenannten "Klassifizierung" eingestuft wird. Das ist ein relativ kompliziertes Verfahren. Im Vorfeld müssen Arztberichte und Gutachten, die auf Englisch übersetzt wurden, an den internationalen Verband eingereicht werden und auch ein Antrag auf internationale Klassifizierung gestellt werden. Dann kommt die Bestätigung, dass der Antrag genehmigt wurde und man muss schauen, bei welchem internationalen Wettkampf Klassifizierungen angeboten werden und sich dann dafür anmelden. 
In der Klassifizierung selbst ist dann ein internationales Team von Klassifizierern, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen. Wer eine Behinderung wie ich im zerebralen Bereich hat, der bekommt natürlich ein Team, das sich hier besonders gut auskennt. Zuerst wird man eingehend befragt, die Arztbriefe und Gutachten werden nochmals angeschaut. Dann folgt eine ausführliche Untersuchung und Tests. Das alles ist schon anstrengend. Danach muss man mit diesem Team auf den Sportplatz und sie schauen genau zu, wie man wirft oder auch bei anderen Disziplinen läuft oder springt. Danach wird entschieden, in welche Startklasse der Athlet eingestuft wird. 


Eigentlich bin ich ja im letzten Jahr erst klassifiziert worden, aber durch die Implantation meines Vagus-Nerv-Stimulators, also des Hirnschrittmachers, haben sich im Laufe der Zeit, als als man die Stromstärke langsam immer höher gestellt hat, gravierende Nebenwirkungen in der Form eingestellt, dass sich meine Grundbehinderung, die Ataxie massiv verschlechtert hat. 
Aus diesem Grund werde ich in diesem Jahr nochmal neu eingestuft. 

Es ist oft eine schwierige Gratwanderung. Die Kontrolle der Epilepsie ist bei mir der elementare Faktor, dass ich an Wettkämpfen starten kann, auch überhaupt mit zu internationalen Trainingslehrgängen fahren darf. Insofern steht das über einer Verschlechterung der Behinderung und ich muss das tolerieren. 

Ich hab das nur so ausführlich geschrieben, dass erst gar keine großen Fragen aufkommen.


Dann geht's also los nach Dubai und ich freue mich, dass
Constanze Wedell so kurzfristig als Begleitperson eingsprungen ist! Danke :-D

Montag, 22. Februar 2016

nach dem "Reha-Trainingslager" in Rio de Janeiro - 200 Tage bis Rio


Ich musste ein paar Tage ins Land gehen lassen, damit die vielen Eindrücke von Rio sich erstmal in mir ordnen können. 
Während meines "Reha-Trainingslagers" habe ich vieles auf meiner öffentlichen Facebookseite gepostet, die ich oft als eine Art Pinnwand verwende, weil es so schnell und einfach geht. Diese Posts, einschließlich Fotos, können dort gerne noch im Nachhinein nachgelesen werden. 

RIO de Janeiro: was soll man über diese Stadt erzählen, wie sie am besten beschreiben?!

Ich bin noch nie in Lateinamerika gewesen und als ich aus dem Flughafen raus war, hätte mich die Luftfeuchtigkeit fast zu Boden gerissen. Für meine Gastgeber alles ganz normal. Die Luftfeuchtigkeit war so stark, dass selbst meine Linse im Foto keine Lust hatte und sich mal munter so beschlagen hat, dass sie einen halben Tag brauchte, um wieder zu "entkrampfen".
Nachts schläft man deshalb auch mit Ventilator, der fast in jeder Wohnung dauerhaft röhrt. In der ersten Nacht hab ich gebibbert unter diesem Wind unter meinem Mini-Bettlaken. Ach das fanden alle witzig, weil ich doch aus dem kalten Deutschland komme, und da friert es mich dann. Ich bekam aber dennoch eine wärmere Decke, hatte aber sofort den Zwergpudel der Gastgeber auch mit drunter liegen, dem es anscheinend auch gefallen hat, sich vor dem Ventilatorwind zu schützen.
Diese Teile röhren wie Düsenflugzeuge, der Wahnsinn.


Rio hat einen wunderbaren Geruch aus vielem: dem Meer, das die gesamte 6,3 Millionen Metropole auf einer Gesamtstrecke von über 65km nur mit Strandpromenade umsäumt. Es riecht irgendwie nach Pflanzen, die ich noch nie gerochen habe und auch die Kombination von Luftfeuchtigkeit und nennen wir es mal alles, was so in der Stadt umschwirrt, kam auch noch dazu. Aber es roch anders, es roch gut, ich hätte meine Nase stundenlang in den Fahrtwind hängen können.

Ich hab auch vieles an Früchten gegessen, deren Namen ich noch nie gehört hatte, die ich noch nie gesehen hatte und die ich definitiv vermissen werde, weil sie so unendlich lecker waren. Auch die Mate Getränke waren fantastisch. Verhungern tut man nicht in diesem Land!

Die Brasilianer selbst sind ein unwahrscheinlich herzliches Volk, entspannt, anders als wir Europäer und ich bin unendlich dankbar dafür, dass mir so viel Einblick in die Lebensweise so vieler großartig liebenswerter Menschen gewährt wurde. Viele haben sich einfach so frei genommen, um mir ein bisschen von ihrer Stadt zu zeigen, jeder irgendwie anders. Sie haben mich in ihre Wohnungen eingeladen, vollkommen unkompliziert und einige sind mir zu wirklich guten Freunden geworden, werden auch auf einen Gegenbesuch nach Deutschland kommen. 

Ich habe gelernt, dass man zu den ärmeren Vierteln nicht "favela" sagt, sondern "comunità". Ich habe auch gelernt, dass "comunità" nicht gleich comunità ist, dass es gefährliche gibt, ungefährliche und solche, die es sogar zu örtlichen Ruhm gebracht haben, mittlerweile eine Touristenattraktion sind.
In unserer hab ich aber zuweilen mal eingekauft und wurde jedes Mal sehr freundlich begrüßt. Da kennt man sich dann schon. 

Weiter sind die Gegensätze zwischen arm und reich (für jemand aus Europa) unschwer zu übersehen. Ich hab halt noch nie Kinder im Stau zwischen den Autos Bälle für Geld jonglieren sehen. Die Tatsache, dass es eigentlich keinen wirklichen Weg raus aus den ärmeren Vierteln gibt, lässt einen nicht kalt. Dennoch strotzen alle voller Lebensfreude, sie jammern nicht und ich habe auch Menschen kennen gelernt, die für sehr wenig Geld arbeiten, die 24-Stunden Jobs haben.


Die Cristo-Statue, der Zuckerhut, die Copacobana, der botanische Garten... - über all das kann man viel lesen, Fotos und Dokumentationen anschauen, so richtig lebendig wird es dann erst, wenn jeder selbst dort steht. Wenn ich beeindruckend und unheimlich schön sage, dann trifft es das natürlich, aber es ist mehr und jeder muss dieses "mehr" für sich selbst entdecken. Ich freue mich, dass ich jetzt schon mal die Chance dazu hatte, denn wenn ich zu einem Wettkampf fahre, dann ist die oberste Prämisse dieser Wettkampf und dass ich gut abschneide, mich gut vorbereite und auch gesund zurück komme. Alles andere ist eine nette Zugabe. Und ich hab es in London 2012 gesehen, dass ich eigentlich keine Chance für touristische Aktionen hatte, insofern könnte ich Rio diesbezüglich sehr gelassen entgegensehen. Aber darum ging es gar nicht primär.


Es ging darum, dass ich eine super Möglichkeit bekam, meinen Arm schnell wieder fit zu bekommen. Andere sind nach Südafrika oder Lanzarote geflogen, ich halt nach Rio.

Meine Gastgeber waren Rosinha Santos (sie ist seit 18 Jahren eine feste Größe des paralympischen Sports in Brasilien) und ihre Trainerin Walquiria Campelo, mit der sie sich die Wohnung teilt, weil es so preiswerter ist. 

In der ersten Woche hat es eigentlich nur geregnet, aber das hat nichts gemacht, war ja warmer Regen und ich hab viel im hauseigenen Swimmingpool trainiert. Zudem konnte ich ins Fitnessstudio (nur fünf Minuten entfernt). Super! Weiter haben wir in dieser Zeit viele Leute besucht. Der Brasilianer malt sich notfalls die Sonne! Deshalb bin ich auch der festen Überzeugung, dass sowohl die olympischen Spiele, und danach die Paralympics ein voller Erfolg werden, denn diese Menschen haben einfach das Wesen, dass sie andere zufriedener und auch glücklich machen. Sie sind entspannt und wenn sie sagen, dass das klappt, dann glaube ich ihnen das. Vielleicht fehlt noch etwas Farbe am Stadion, keine Ahnung, ist nur ein Beispiel, aber bunt wird's trotzdem, das Land, die Stadt und die Menschen sind bunt!!


Viele Sportstätten, an denen ich vorbeigefahren bin, die waren ja schon ganz o.k., aber manches, das war noch sehr im Bau, da sagt auch jeder Einheimische, dass niemand Ahnung hat, ob das fertig wird. Das betrifft zum Beispiel mehr die Metro. Aber sie schuften Tag und Nacht, auch mit Strahlern bei Regen. Das Olympische Dorf hat aber super ausgeschaut!



In Deutschland war es kalt, in Rio warm, so konnte ich mit meiner Schulter den ganzen Tag etwas machen, was mich immens voran gebracht hat. Die Beweglichkeit ist voll da, und ab dem Zeitpunkt, wo ich wieder stoßen durfte, war die Schulter auch startklar. Darum hab ich dann auch gesagt, dass ich noch ein paar Tage dranhänge, wenn es gerade so gut läuft. War echt eine tolle Erfahrung, mit einem Teil des brasilianischen Teams Rio zusammen zu trainieren. Wir hatten sehr viel Spass zusammen! Ich finde, so einen "internationalen Trainingsaustausch", den sollten wir einfach mal offiziell machen.

Ich wollte in der Zusammenfassung meines Aufenthaltes ein paar Tipps geben, was wichtig und gut für die Zeit in Rio wäre, denn war mir geholfen hat, das kann ja allgemein auch nicht schlecht sein.

1. In Rio, allgemein Brasilien, werden Kinder nur 2 Jahre lang in den Schulen in Englisch unterrichtet. Es spricht also quasi niemand Englisch. Inwiefern die Volunteers bei den Paralympics Englisch sprechen, ich kann mir vorstellen, dass das vielleicht schwierig werden könnte.
Mir hat eine App auf dem Handy (gibt es für Android und Iphone) sehr geholfen. Sie heißt: "iTranslate" und ist kostenlos. Wenn WLAN oder Internetempfang verfügbar ist, dann übersetzt die App deutsche Sätze ins Portugiesische, spricht diese auch, übersetzt aber auch in andere Sprachen.

Diese App war mein wichtigstes Kommunikationsmittel in Rio überhaupt!! Ich konnte damit sogar Witze machen, sie ist unheimlich wichtig. Allerdings empfiehlt es sich, kurze Sätze zu schreiben, nicht zu komplizierte Sachverhalte.

2. Die Sonne in Rio ist verdammt stark. Die Sonne in Neuseeland war anders, aber ich sag mal so, die Sonne in Rio ist nochmal stärker. In Rio wird Lichtschutzfaktor 10 verkauft und es empfiehlt sich sehr, diesen vor Ort auch (zusätzlich zum eigenen Sonnenschutz) auch zu kaufen! Sonst sind böse Sonnenbrände vorprogrammiert.

3. Unbedingt gleichzeitig Kappe wenn man viel in der Sonne ist. (auf meinen Fotos ist meist keine Kappe, weil ich SEHR eitel bin, aber ich hab die Kappe immer nach dem Foto wieder aufgesetzt ;-) )

4. Immer nach 5-6 Stunden neu gegen Moskitos einsprühen. Das Spray kann mitgebracht werden, es gibt aber auch eine Reihe sehr guter Präparate in den Drogerien vor Ort. (Viele Drogerien!!) Die Biester sind gefährlich und allgegenwärtig.



5. Das Wasser aus den Wasserleitungen in normalen Mietshäusern (den Hochhäusern) sollte jetzt nicht unbedingt getrunken werden, aber wenn man mal beim Zähneputzen was verschluckt, dann stirbt man sicherlich auch nicht dran, weil es so immens stark gechlort ist, dass echt alles abgetötet ist.

6. Geld wechseln in die Landeswährung Reais empfiehlt sich vor Ort. Bitte unbedingt genug (Euro oder Dollar mitnehmen). Man kann vor Ort in den Malls wechseln.
Man kann mit Kreditkarten zahlen, ABER manches Gerät erkennt europäische Debitkreditkarten nicht als solche an und stuft sie nur als Creditcard ein. Man müsste dann den Pin für die Debitcard eingeben, was die Karte aber verwirrt. Also unbedingt genug Bargeld mitnehmen!

7. Wenn man sich an einige "Auflagen" hält, ist Rio keine Stadt, die gefährlicher ist als andere. An Stränden und vor allem der Copacabana niemals zahlen und dabei sich in den Geldbeutel schauen lassen. Immer umdrehen, Geld rausnehmen, zahlen. Wenn Tasche, dann nur mit Reißverschluss. Kamera sofort nach Gebrauch wieder darin verstauen. Handy niemals in die Hosentasche.
Ähnliches gilt für typische Touristenumschlagplätze und große Menschenansammlungen in Malls.
Niemals eine Comunità (Favela) betreten, von der man nicht von Einheimischen weiß, ob sie auch wirklich gefährlich ist oder nicht.
Taxis nur vor Malls oder Hotels anhalten.


8. Wer in Rio Spaß haben will, sich auf die Menschen und deren Lebensweise einlassen will, der muss etwas den Europäer ablegen, sonst wird das nichts. Damit meine ich, einfach mal für zwei Wochen etwas lockerer werden und sich gegebenenfalls auch drei oder vier Mal am Tag von wildfremden Leuten zum x-ten Male zwei oder drei Mal auf die Wange küssen lassen, weil das halt so üblich ist. Und wenn sich Brasilianer freuen, dann wird wieder geküsst (auf die Wange). Das kann schon mal ein bisschen viel werden ;-)

Ich danke meinen Freunden von ganzem Herzen, die mir so viel ermöglicht und mir in jeder Hinsicht geholfen haben. (Hier mit Walquiria und Beto im Botanischen Garten)

Sonntag, 10. Januar 2016

Einladung nach Rio im Januar 2016 - 237 Tage bis Rio 2016

Ich habe ein wenig gewartet bis ich es hier schreibe. Es war noch nicht lange geplant, aber es sollte auch eine kleine Überraschung werden. 


Bei der Wettkampfserie in Dubai 2015 habe ich Walquiria Campelo kennengelernt, die als betreuende Trainerin für ein paar Athleten des "Team Rio" mit dabei war. 

Links ist das Bild mit der Siegerehrung im Speerwurf, wo ich Dritte wurde, einen neuen Europarekord geworfen habe. Shirlene Coelho, die Führende, ist super, da kommt auch so schnell keiner ran!

Walquiria ist das in der Mitte. Wir haben dann Kontaktdaten ausgetauscht und schrieben uns über das lateinamerikanische What's App, über Imo. Früher hatte man Brieffreundschaften, heute läuft es so. Im Laufe der folgenden Monate gingen viele Fotos, auch Videos über viele tausend Kilometer zwischen München und Rio hin- und her. Wir haben festgestellt, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Wir wohnen beide in ähnlichen Stadtteilen, auch die Art und Weise des Trainings gleicht sich und irgendwann wuchs die Idee heran, dass ich Walquiria und Ihre Mitbewohnerin, Rosinha Santos, eine erfolgreiche paralympische Sportlerin, gerne besuchen könnte. Ich müsste nur den Flug selbst bezahlen. Und das hab ich dann auch gemacht! (Den Flug gebucht...)

Ich werde ab dem 14. Januar 15 Tage lang in Rio sein, darf sehen wie ein Teil des "Team Rio" trainiert und werde im Rahmen dessen, was mit meinem Arm machbar ist, mittrainieren (Beine halt und Bauchmuskeln). Zudem gibt es auch ein wenig Sightseeing und ich hoffe, dass ich einen Blick auf den Bau der Wettkampfstätten von außen erhaschen kann... . 

Hier ist eine Kollage mit ein paar der Fotos, die ich im Vorfeld geschickt bekommen habe. 


Ich freue mich sehr, dass ich die Chance habe, im Jahr und Vorfeld der Paralympics direkt nach Rio fliegen zu können. Weiter finde ich ich es toll, dass sie mich ein Stück an ihrem Trainingsalltag und Leben teilhaben lassen. 

Das folgende Video (auf Brasilianisch) zeigt den Stadtteil, in dem ich während meiner Zeit in Rio wohnen werde. 



Da ich mit der Schulter jetzt sowieso nicht arg viel machen kann, versäume ich in Deutschland auch nichts (also nichts, was ich nicht in Rio auch machen könnte!), und deshalb ist das genau das richtige Programm. Zudem brauche ich auch einen kleinen "Kick", denn wer lange verletzt war, der kann ermessen, dass sowas extrem an den Nerven zehrt. 

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Jahreswechsel 2015/16 - Videopost - Fortschritte Physiotherapie - 251 Tage bis Rio 2016


Heute ist Silvester, gleich kommt Sabine, meine beste Freundin und wir werden zusammen feiern! 

Hier ist meine Videobotschaft zum neuen Jahr.


Und gestern in der Physiotherapie haben wir für Willi (Gernemann), meinen Nationaltrainer, der gefragt hat, wie es denn so läuft, mit der Schulter, ein kleines Video gemacht. Ist immer anschaulicher als nur Schreiben. Ich bin schon recht zufrieden!




Sonntag, 27. Dezember 2015

Zwischen den Jahren - 254 Tage bis Rio 2016

Die Aktualität in diesem Blog lässt ein wenig zu wünschen übrig, tut mir leid. Das wird sich ändern - hoffe ich ;-) Es ist einiges passiert seit dem letzten Eintrag und das möchte ich kurz erzählen. 

Nachdem ich mich ja sehr gefreut hatte, dass im MRT nichts sichtbar war, wurde aber meine Schulter trotzdem nicht besser. So suchte ich den Rat eines sehr erfahrenen Schulterspezialisten auf und der sagte, dass halt zuweilen leider nicht jeder Defekt im MRT sichtbar wäre und er vorschlagen würde, doch mit einer Arthroskopie rein zu schauen. Zuvor versuchten wir es aber noch mit 5 Tagen Krankengymnastik. So saß ich also in der Adventszeit eine Weile im Krankenhaus und versuchte, dass mir die Zeit nicht zu lang wird! 

Für jeden von uns ist Krankenhaus nicht schön, aber mir reicht es in diesem Jahr bis über beide Ohren!! Und im Jahr vor den Paralympics macht so eine Verletzung einem natürlich auch Sorgen, ABER die darf man in sich drin nicht zu groß werden lassen. Es ist gut, dass ich einige Menschen habe, die in dieser Zeit an mich glauben, die zu mir stehen und das gibt auch die Kraft, die ich brauche, um den Sprung nach Rio zu packen. 

Die OP hat ergeben, dass ich einen kompletten Abriss der Bizepssehne hatte und zudem noch ein paar andere Schäden, die beseitigt wurden. 
Ich sag mal so, es hätte immer noch schlimmer kommen können, aber ne Prellung hätte es durchaus auch getan! 

Doch es wird nur noch ein Nach-Vorne geben. Zuweilen mit einer Mini Träne im Auge, weil an manchen Tagen halt alles a bissal viel ist, aber alles andere ist kontraproduktiv!

Inzwischen war ich sogar schon wieder im Einsatz, konnte (m)einen jährlichen Vortrag über Inklusion an der Fakultät für Grundschullehramt an der LMU halten. 

Es war direkt in der Woche, in der ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, und ich war froh, dass das alles noch geklappt hat. 

Ich wünsche allen Studenten, dass sie sich ihre Offenheit bewahren, dass sie ihren eigenen Weg zur Inklusion in dieser Gesellschaft finden, denn nur so können wir mit kleinen Bausteinen das große Ganze irgendwann hochziehen! 

Über dem Vortrag steht immer:
"Inklusion ist: wenn keiner mehr darüber redet!"

Und dann kam schon in großen Schritten Weihnachten. Ich musste davor zur Krankengymnastik, war froh, dass ich vor der OP schon alle Geschenke gekauft und eingepackt hatte, denn so hätte ich das nie mehr geschafft. 

Den Heiligen Abend hab ich mit meinem Vater und seiner Lebensgefährtin gefeiert. Für mich ist dieses Fest schon sehr eng mit seiner christlichen Botschaft verbunden und es macht mir auch nichts aus, wenn viele mich dafür belächeln. Ich finde das gut, in meinem Leben einen Glauben zu haben, der mich trägt und der mir auch meinen Weg zeigt. 
Am zweiten Weihnachtsfeiertag hab ich mich dann a bissal "erholt".



Dienstag, 1. Dezember 2015

kein Olympia/keine Paralympics in Hamburg 2014 - 281 Tage bis Rio 2016

Am Sonntag fiel die Entscheidung, ob es 2024 olympische/paralympische Sommerspiele in Deutschland geben würde. 
Ich glaube, jeder Sportler hat auf ein "JA" gehofft, denn wer London 2012 erlebt hat, egal ob als Athlet, Zuschauer, Trainer, Betreuer, als Helfer oder als Einwohner dieser Stadt, der würde Hamburg sofort sagen: "Mensch Leute, macht das - etwas Größeres, Besseres, Bedeutenderes kann Euch in Eurem Leben nicht passieren. Vielleicht schon, aber es ist sicherlich eine Sache, die ihr nicht vergessen werdet!"

Hamburg hat sich im Vorfeld sehr reingehängt, hat wirklich alles versucht, um dieses Begeisterung auch wirklich in alle Ecken dieser Stadt und auch darüber hinaus zu tragen. Coole Aktion übrigens mit den Ringen!!


Nun kam ne Menge, es kam der Fifa-Skandal, es kamen viele Flüchtlinge und das Attentat in Paris und ich glaube, das hatte in der Summe nochmal einen Einfluss darauf, warum letztlich mehr Leute mit "Nein" gestimmt haben als vielleicht im Vorfeld angenommen. Die Deutschen sind halt naturgemäß kein so arg risikofreudiges Volk, was ansich ja auch in Ordnung ist. 


Aber dann müsste ja jedes Land, das sich für die Olympischen Spiele/Paralympics entschieden hat, pleite gegangen sein. Ich war seit 2012 noch zwei Mal in London und die Menschen sind immer noch voll Euphorie über "ihre" Spiele. Sie würden dieses Erlebnis niemals missen wollen, sie waren unheimlich dankbar für diese tolle Zeit, die ihnen beide Ereignisse beschert haben. Und das sagen nicht nur einzelne. Die Sportstätten werden weiter genutzt, das Olympische Dorf wird bewohnt, das Wohnviertel ist absolut aufgewertet worden und der Olympiapark ist super geworden und in dem neuen Einkaufszentrum wurden viele Arbeitsplätze geschaffen. Manchmal denke ich mir, dass es zwar schon o.k. ist, "nur" die Einwohner der jeweiligen Austragungsstätte abstimmen zu lassen, aber so richtig demokratisch ist das auch nicht wirklich, denn bezahlen tut es nicht Hamburg alleine und die Sportler kommen aus ganz Deutschland, die Helfer sicher mal auch. Also warum nicht den Meinungstrend auf Deutschland erweitern?! 

Nun ja, es ist nicht mehr zu ändern!! Mir hat man gestern erklärt, dass es auch noch viele andere Hintergründe hätte, die mit den Funktionären zu tun haben, aber das ist nicht meine Liga und da will ich mich auch nicht reinhängen. Verstehen tue ich das wohl, aber um diese Problematiken sollen sich andere kümmern!

Liebe No-Olymianern - DAS habt Ihr auf jeden Fall verpasst und auch wenn Ihr denkt: ach lass die ruhig reden, so sage ich Euch dennoch: wenn man nicht ab und an mit Mut etwas angeht, dann wird man niemals etwas Großartiges verwirklichen. 



Doch eines noch zum Schluss, das steht heute auf Eurosport: 


NEIN, das stimmt nicht. Es mag traurig sein, aber über eine Enttäuschung gleich den ganzen deutschen Sport für tot zu erklären, was ist das für eine Verhaltensweise? Vielleicht ist es dann mal Zeit, in uns zu gehen, auch nach dem "Warum?" für dieses "Zögern" zu fragen. Jede Sache hat immer zwei Seiten. Und ich lasse mir doch nicht von so ein paar Leuten, die keine Lust auf Olympia im eigenen Land haben, die Freude an meinem Sport nehmen. 

HEY, Rio 2016 steht vor der Tür, lasst uns genau denen mit noch mehr Enthusiasmus zeigen, was wir drauf haben, wie sehr wir für unseren Sport brennen und warum er es doppelt und dreifach wert ist. Ich brenne auch, egal ob die anderen Olympia/die Paralympics unterstützen oder nicht!!



Samstag, 7. November 2015

Sportfreunde - bin sehr gerührt - 304 Tage bis Rio 2016

Nach dem Ende der IPC Weltmeisterschaft in Doha war ich doch etwas deprimiert. Irgendwie waren alle glücklich zurück und ich hatte und habe noch Schmerzen, alle waren super zufrieden, was ich auch jedem gönne!!, aber man selbst muss damit auch klar kommen, dass man - unbeabsichtigt - irgendwie im Abseits steht. 

Ich war und bin unendlich dankbar für die große Anteilnahme von vielen auf Facebook und in meinem Freundes- und Bekanntenkreis in München, aber im Sport selbst, da merkt man einfach, dass viele einen schnell vergessen. Aber das ist halt so. 

Dafür gab es gestern etwas, das mich wahnsinnig aufgebaut und auch zu Tränen gerührt hat. 


Davon möchte ich heute gerne erzählen. Bei meiner ersten IPC Weltmeisterschaft 2011 in Christchurch/NZL habe ich ganz kurz Lucyna Kornobys aus Polen kennengelernt. Sie hat wie ich Ataxie, wurde ebenfalls in Emmeloord in den Niederlanden klassifiziert und es war auch ihre erste Weltmeisterschaft. Sie spricht nur wenig Englisch, aber wir haben trotzdem ein paar Worte wechseln können. 

Für mich gilt immer, dass "meine Gegner" nur während dem Wettkampf "meine Gegner" sind, davor und danach möchte ich sie gerne näher kennen lernen, möchte mehr darüber erfahren, wie der Sport und das Training in ihrem Land funktioniert, und denke einfach, dass das den Charme unseres Sportes ausmacht, wenn wir viele Menschen aus vielen Ländern über den Sport erreichen und auch mit ihnen in Verbindung bleiben. Das ist es, was meinen Sport für mich so unendlich wertvoll: die Menschen, die mir mit den Jahren zu wirklichen Freunden geworden sind. Und es zeichnet so eine Freundschaft aus, dass sie mir auch wenn ich gewonnen habe, diesen Sieg nicht geneidet haben. Auf jeden Fall nicht die, von denen ich gerade spreche. 

Das erste Foto zeigt Lucy aus Polen und von ihr möchte ich gleich etwas mehr erzählen. Das zweite Foto ist Maria aus Griechenland, ebenfalls eine ganz liebenswerte Athletin und das dritte Foto ist Frantisek Serbus, der ein herausragender Sportler und ein fantastischer junger Mann ist. (Ein Küsschen auf die Wange darf da schon mal sein...)

Aber weiter zu Lucy. Gestern hatte ich einen riesen Umschlag im Briefkasten mit einem selbstgemachten Fotoalbum, das ich in Auszügen hier reinstellen werde. Dieses Album ist nicht nur extrem liebevoll gemacht, es hat mich auch zu Tränen gerührt. UND es war genau das, was ich jetzt genau gebraucht habe. 

In diesem Album ist auch Marjaana Heikinnen (blaue Trainingsjacke) von Finnland, ebenfalls eine sehr liebe Sportfreundin, die jahrelang mit mir in der F34 auf dem Treppchen stand. Lucy sieht das auch so. 


Und es erfüllt mich mit großem Stolz, Freude und ist etwas unheimlich besonderes, wenn eine Athletin, die selbst erfolgreich ist, einen als Idol bezeichnet und als wirklich Freund. Dafür danke ich ihr von Herzen, weil ich sowas im Moment wirklich gebraucht habe. 

(Eines sei an dieser Stelle erwähnt, was mir sehr wichtig ist. In der F34, meiner alten Startklasse, gibt es immer noch zwei deutsche Starter, denen ich natürlich nur das Beste wünsche und mich wirklich freue, wenn sie Erfolg haben! Nur weil ich Lucy oder Marjaana aus Finnland mag, bedeutet das nicht, dass ich ihnen den Erfolg missgönnen würde!!)